Do you speak English?
Auf eine Mittelmeerinsel hatte es Alexandra Weber im letzten September verschlagen. Nicht allein der Sonne wegen.
Irland oder Malta? Zwischen zwei Inseln entscheiden musste sich Alexandra Weber, Angestellte im Vorzimmer bei der Abteilung Planung Netze (N 12). Wer an Urlaubsstress denkt, liegt falsch. Um die richtige Wahl eines Unterrichtsortes nämlich ging es der 24-jährigen Industriekauffrau. Zwei Wochen an einem Englischkurs teilnehmen, das war ihr Ziel. Sie löste damit einen Preis für herausragende Leistungen während der Ausbildung ein.
2008 hatte Alexandra Weber ihre Prüfung zur Industriekauffrau mit der schriftlichen Note 1,5 abgeschlossen, im Mündlichen schaffte sie eine glatte Eins. Mit diesem Notenschnitt wurde sie aufgenommen in das Programm „Begabtenförderung berufliche Bildung“ der IHK Ulm. Das Programm enthält auch einen Sprachkurs. „Fresh up your english“ – der Gedanke begeisterte die frisch gebackene Industriekauffrau spontan. „Bei den Stadtwerken brauche ich Englisch zwar selten, aber genau darum ist es mir wichtig, in der Sprache drinzubleiben. Und wer weiß schon, wohin der weitere Berufsweg führen kann“, erzählt sie. Zum Englischen hatte Alexandra ohnehin eine besondere Beziehung. Bevor sie ihre Lehre bei der SWU begann, jobbte sie einige Zeit im Günzburger Legoland. Dort betreute sie, unter anderem, Kinder in kleinen Workshops. Das Publikum war international, folgerichtig wurde Englisch für Alexandra Weber fast wie eine zweite Sprache.
Stures Pauken war tabu
Die Entscheidung für einen Sprachaufenthalt auf Malta war schnell getroffen. „Im Mittelmeer ist es einfach wärmer und es regnet seltener als im Atlantik am Rand der Tiefdruckgebiete. Ich bin eher ein Sommer-Mensch“. Schließlich spricht nichts dagegen, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Überdies genießen die maltesischen Sprachschulen einen guten Ruf. Englisch ist auf Malta Amts- und Verkehrssprache. Das ist geschichtlich bedingt. 150 Jahre lang wurde die Insel unter britischer Flagge regiert, war Mitglied im „Commonwealth“. 1964 unabhängig geworden, ist Malta heute EU-Mitglied und gehört zur Euro-Zone.
Am „Institute of english language studies“ in dem Küstenstädtchen Sliema („Slima“ ausgesprochen) besuchte Alexandra Weber den Unterricht täglich ab acht Uhr. Die Klasse war international. Schnell hatte sie sich mit Diana aus Spanien und Andjela aus Serbien angefreundet. Stefanie, eine Studentin aus Biberach, und die Arzthelferin Sabine aus München vervollständigten die „deutsche Kolonie“ in der kleinen, achtköpfigen Lerngruppe. Den Unterricht leiteten John aus Schottland und Christina, eine waschechte Malteserin. „Beschreiben Sie Ihre Lieblingsdüfte!“ – Sprechen Sie über ihre Lieblingswörter im Englischen!“. Mit solchen Lehrmethoden, nicht immer streng nach Buch, gelang es den jungen Lehrern, ihre Schützlinge zum Englischsprechen zu bringen – und dabei Wortschatz und Grammatik fast nebenbei zu vertiefen. „Stures Pauken war tabu, alles wurde spielerisch vermittelt und wir machten dadurch große Fortschritte“, so beschreibt Alexandra Weber ihre ganz neuen Erfahrungen als Sprachschülerin. Anfängliche Hemmungen, sich auf Englisch auszudrücken, waren so im Nu verflogen. „Teilweise sprachen auch wir deutschen Mädels untereinander Englisch“.
Atemberaubende Landschaften – und ungewöhnlicher Alltag
Nach dem Unterricht blieb genügend Zeit, die Insel zu erkunden. Zum einen dank des Freizeitprogramms, das die Sprachschule anbot. So traf sich die Gruppe zu einem maltesischen Abend, wo die regionale Spezialität Hasenbraten serviert wurde, oder es wurde ein Ausritt am Strand organisiert. Vieles unternahmen Alexandra und ihre Mitschülerinnen auf eigene Faust. Ein Ausflug führte zur „Blauen Lagune“ auf Camino, einer kleinen Nachbarinsel. „Grünglitzerndes, kristallklares Wasser, gesäumt von strahlend weißem Strand. Ein Stückchen Paradies“, schwärmt Alexandra Weber noch immer. Es verwundert nicht, dass Malta mit seinen landschaftlichen Schönheiten bei Filmregisseuren bekannt ist. „Popeye“ oder „Der Gladiator“ wurden auf Malta gedreht. Die Unternehmungen in der Gruppe – „wir waren wie eine Familie“ – ließen die Sprachschüler Zugang finden zum maltesischen Alltag. Obwohl britisch geprägt, hat sich Malta viel Eigentümliches bewahrt. Öffentliche Busse gibt es viele und sie fahren in sehr kurzen Takten – doch Haltestellen sucht man oft vergebens. Der Bus hält zumeist da, wo der Fahrgast heftig winkt. Auch mit dem Aussteigen tut sich der Fremde zunächst schwer. „Anfangs suchte ich den Knopf für den Haltewunsch. Bis ich eine abgegriffene Schnur bemerkte, die von der Wagendecke herab baumelte und an der man kräftig ziehen muss, damit der Bus hält“. Die Busse sind, was Alter und Komfort angeht, mit dem Begriff „Oldtimer“ sehr vorteilhaft umschrieben. Dafür ist das Busfahren billig. 47 Cent kostet der Fahrschein, das Geld wird in die bereitgelegte Mütze des Fahrers oder in eine Blechbüchse geworfen. „Malta bietet eine überraschende, bisweilen auch skurrile Mischung zwischen britisch korrekt und südeuropäisch lax“, so erlebte Alexandra Weber die Insel. Was sie als nächstes machen will im Rahmen der IHK-Begabtenförderung – das Programm geht über drei Jahre –, weiß sie noch nicht. „Vielleicht Industriefachwirt oder Management-Assistentin. Mal sehen, was 2010 so bringt“.